Wenn man sich mit Marketingeffektivität beschäftigt, stößt man immer wieder auf eine Sache: sich mit der nach Außen sichtbaren Seite des Marketings zu beschäftigen ist wichtig. Denn natürlich gibt es bei den meisten Unternehmen und Marken Effektivitätstreiber, die noch nicht optimal bedient werden und somit verbessert werden können. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite, und die kann manchmal genauso wichtig sein, ist wie die Zusammenarbeit intern funktioniert: ziehen Marketing und Vertrieb an einem Strang? Werden die „richtigen“ Daten im Customer Service erhoben, sodass das Marketing davon profitieren kann? Ist eCommerce und stationärer POS aligned oder kämpfen sie gegeneinander? Und wie sieht die Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Teams aus? Das alles sind typische Fragen, die immer wieder auftauchen.

Zugehörigkeit als Produktivitätstreiber.

Diese Fragen sind Ausdruck einer einfachen Gleichung: wenn unterschiedliche Abteilungen nicht füreinander oder schlimmstenfalls sogar gegeneinander kämpfen, wird wertvolle Zeit und Energie nicht auf das Wesentliche gelenkt. Nämlich den Erfolg des Unternehmens zu steigern. Diese Kämpfe unter Abteilungen oder sogar innerhalb von Abteilungen entstehen vor allem dann, wenn die Mitarbeiter sich nicht einem großen Ganzen zugehörig fühlen.

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist ein ganz fundamentales menschliches Bedürfnis, es gibt uns Sicherheit und steigert unser Selbstvertrauen. Ein Team mit einem hohen Zugehörigkeitsgefühl und Zusammenhalt, läuft im Arbeitsalltag zu Hochtouren auf, trotzt gemeinsam allen Schwierigkeiten und zieht in Sachen Performance an allen vorbei. Dass Zugehörigkeit kein Gutmenschentum ist, sondern sich in harten Erfolgs Metriken wiederfindet, hat kürzlich auch die Harvard Business Review analysiert. Das Resultat: Menschen, die sich auf der Arbeit zugehörig fühlen, zeigen eine 56% höhere Job-Performance, sind nur halb so häufig wechselgefährdet und haben 75% weniger Krankheitstage. Alles in allem ein guter Grund, sich dem Thema anzunehmen.

Nun ist Zugehörigkeit in Zeiten von Corona, Social Distancing und erzwungenem Home-Office so eine Sache. Wir wollten wissen, wie steht es um die Teamzugehörigkeit der Deutschen in Zeiten von Corona und inwiefern wirkt es sich auf ihre Produktivität aus? Im Rahmen unserer wöchentlich stattfindenden Online-Befragung haben wir einfach mal nachgefragt. Das Ergebnis: Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen Teamzugehörigkeit und gefühlter Produktivität. Kurz: Je besser das Gefühl der Teamzugehörigkeit desto höher die Produktivität. Und gleichzeitig hat die Mehrheit das Gefühl, dass ihre Teamzusammengehörigkeit leidet, seitdem sie im Home-Office arbeiten.

Wenn nun also das Gefühl der Teamzugehörigkeit bestimmt, wie produktiv man ist und es gleichzeitig abnimmt, dann sind Maßnahmen zur Verbesserung genau dieser Zugehörigkeit also ein entscheidender Erfolgsgarant für Unternehmen in und nach der Krise.

Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Teamzugehörigkeit und gefühlter Produktivität. Quelle: Crisis-Mindset, PUNCH, n=1.000

Zwischen den Krisenstäben, interne Maßnahmen nicht vergessen.

Verständlicherweise mussten jetzt erstmal diverse Brände gelöscht werden, Arbeitsplätze und ganze Existenzen stehen auf dem Spiel. Themen wie Budgetkürzungen und weitere Einsparungspotentiale liegen vor allem bei allen Marketers auf dem Tisch, Angriff oder Rückzug? Dazu haben wir als PUNCH ja bereits deutlich Stellung bezogen.

Es wird nun aber auch deutlich, dass es dringen an der Zeit ist, sich über interne Maßnahmen Gedanken zu machen. Und dabei vor allem solche, die das Gefühl der Teamzugehörigkeit steigern. Dadurch kann nicht zuletzt die so dringend notwendige Produktivität in einer Post-Corona Zeit freigesetzt werden.  Denn, machen wir uns nichts vor: die Zeit, die vor uns liegt, wird kein Zuckerschlecken – dafür brauchen wir alle Power die wir haben. Wir sollten also die Gunst der Stunde nutzen, denn die Welt dreht sich derzeit nicht so schnell wie sonst. Die ideale Gelegenheit einen Schritt zurück zu treten und sich grundlegende Gedanken zu machen - auch darüber, wie wir Dynamiken im Team positiv beeinflussen und ein Gefühl des Zusammenhalts im Team fördern können.

Was nicht gemessen wird, wird auch nicht gemanagt.

Irgendwie ist es paradox: Es wird sich kaum jemand finden, der sich aktiv gegen Teamzugehörigkeit ausspricht oder findet, dass es irrelevant ist. Auch wird es kaum Menschen geben, die aktiv und wissentlich Maßnahmen ergreifen, die gegen ein Zugehörigkeitsgefühl arbeiten (die wenigsten stehen wohl morgens vor dem Spiegel und sagen „heute bereite ich möglichst vielen Kollegen einen echten Sch§$%-Tag“), dennoch leidet dieses Gefühl der Zugehörigkeit momentan sehr und nur die wenigsten Unternehmen scheinen aktiv Maßnahmen zu implementieren, um dieser Entwicklung entgegenwirken.

Vielleicht ist es der Respekt davor, Zugehörigkeit nicht greifbar und messbar machen zu können. Was ist Zugehörigkeit eigentlich und wie kann man es gezielt positiv beeinflussen? Was steht einem starken Zugehörigkeitsgefühl im Wege? Und warum herrscht in manchen Teams mehr und in anderen weniger davon? Bevor man in kopflosen Maßnahmen-Aktionismus verfällt, sollte man sich, genau wie bei einer guten Strategieentwicklung auch, die Frage stellen, warum die Situation so ist wie sie ist und einen Status Quo erheben. Denn wie will man etwas managen, wenn man nicht weiß wie es um das zu managende Thema im eigenen Team bestellt ist? Die Probleme die aufkommen, wenn man versucht „weiche Faktoren“ im Team zu messen, kennen wohl alle. Von „es ist ultra langweilig so blöde Fragebögen auszufüllen“ über „wer sagt denn, dass das wirklich geheim ist?“ bis hin zu „super, was machen wir jetzt mit den ganzen Daten?“ ist alles dabei. Die Zeiten von erzwungenem Home-Office machen es nicht gerade leichter, aber viel wichtiger.

Und genau da kommt bei uns Kokoro ins Spiel. Denn Kokoro hilft uns dabei, das Zugehörigkeitsgefühl regelmäßig über Faktoren wie z.B. Wertschätzung oder Rückhalt im Team zu messen. Die Befragungen finden dabei intuitiv statt und alle Befragten bekommen direkt ein Ergebnis. Das führt nicht nur dazu, dass das Beantworten der Fragen mehr Spaß macht und Zeit spart, sondern auch direkt zum Austausch und Diskussionen anregt.  Die Kombination von quantitativer und qualitativer Befragung befähigt uns, auf der einen Seite Rückschlüsse auf den Teamzusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl zu schließen, sowie gezielt Probleme zu identifizieren, lässt auf der anderen Seite aber auch Raum für Überraschungen, von denen alle lernen können.

Screenshots für Abfrage, Ergebnisdarstellung für "Teamzugehörigkeit", Quelle: Kokoro

So ein Werkzeug ermöglicht es also, die sonst als so weichen und doch für harten Businesserfolg wichtigen Faktoren zu messen und basierend darauf geeignete Maßnahmen zu implementieren. Ob es sich dabei nun um kleinere Maßnahmen wie z.B. das bewusste setzten von gemeinsamen Zielen, transparente Kommunikation oder ausgelassene Teamabende handelt oder um größere Maßnahmenpakete die auf die Verbesserung des kompletten Unternehmensklimas oder die Führungskultur einwirken sollen, ist erstmal egal.  Am Ende kommt es, wie bei jeder Strategiearbeit darauf an, das eigene Handeln und (neue) Instrumente, die das Gefühl der Zugehörigkeit fördern sollen, sinnvoll einzusetzen und vor allem auf ihre Wirksamkeit überprüfen zu können – denn nicht vergessen: Mit dem Gefühl der Zugehörigkeit steigt und fällt die Produktivität. Und wer will schon einen solchen Effektivitätshebel ungenutzt lassen? Gerade in dieser Zeit hängt an eben dieser Produktivität die wirtschaftliche Gesundheit und sogar das Überleben vieler Unternehmen, es ist also mindestens zwei Gedanken wert!

Über die Autoren: Stefanie Kuhnhen ist Geschäftsführerin Strategie und Partnerin einer der global führenden, inhabergeführten Kreativagenturen Deutschlands, Grabarz & Partner. Mit über 20 Jahren Berufserfahrung als Kommunikationsstrategin ist Stefanie täglich mit der Welt, ihren Trends, ihren Menschen und Kulturen befasst. Den visionären Ausblick und die Definition der Implikationen daraus für Unternehmen, ihre Marken und das Leben der Menschen ist ihr tägliches Handwerkszeug für ihre Kunden, aber auch für ihre eigene Unternehmung. In den letzten zwei Jahren hat sie in der Grabarz-Gruppe die Marketing Consultancy PUNCH und den Innovationsort Grabarz JMP Space, sowie mit externen Partnern das Start-up Kokoro mitgegründet.

Lea Heinig ist Marketing Consultant bei PUNCH. Sie ist Wirtschaftspsychologin mit dem Schwerpunkt „Organizational Psychology and Human Resources“ und systemischer Coach. Bei PUNCH verantwortet sie den Bereich Business Products und kümmert sich um die interne Organisationsgestaltung.